Verfasst von: Cem Basman | 19.Februar 2008

Lessons Learned 2007

StartupWeekend ist ein permanentes Experiment. Ein Feldversuch in Crowdsourcing und Crowdfunding. Themen, die man nicht aus Büchern, sondern nur im echten Leben erlernen und erforschen kann. StartupWeekend 2007 in Hamburg war ein erster Versuch. Ein Prototyp wie die “Weisheit der Massen” produktiv umgesetzt werden kann. Das Beta war bemerkenswert. Und doch gab es eine Reihe von Erkenntnissen, die wertvoll für die weitere Arbeit sind.

Die wichtigste Erkenntnis war, dass unsere Arbeit nicht mit dem Ende der Veranstaltung aufhören kann. Unsere Vorstellung im September 2007 war naiverweise, dass das Startup, das wir alle gemeinsam gegründet hatten, seinen weiteren Weg mit eigener Kraft weitergehen kann. Das war falsch.

Edelbild Ltd., das erste Startup seiner Art, ist bisher nicht produktiv gewesen. Es hat Probleme sowohl im Mangement wie auch beim Mitarbeiterteam gegeben. Die Grundidee und das Geschäftsmodell von Edelbild sind gut. Management und Mitarbeiter sind qualifiziert und anfangs auch sehr engagiert gewesen. Mittlerweile sind aber sechs Monate vergangen und das Unternehmen ist nicht produktiv. Warum ist das so?

Der entscheidende Grund ist, nach Meinung von Jason und mir, dass trotz allen Vorschusslorbeeren und Marketinghype, den Edelbild zum Start hatte, die nachhaltige Motivation für das Team fehlte. Die nachhaltige Motivation ist nach unserer Auffassung, dass u.a. ein angemessens Budget und somit auch die Bezahlung für das Team fehlte. Von irgendetwas muss man leben, wenn man sich auf eine anspruchsvolle Aufgabe konzentriert. Das Budget gehört zur Professionalität mit. Mit “Working for Shares” alleine war das offensichtlich nicht zu schaffen. Das Crowdsourcing ohne entsprechendes Crowdfunding ist nur zur Hälfte Wert. Es ist Fun, aber eben auch Arbeit. Und Arbeit, die über einen Zeitrahmen hinweg geht, muss bezahlt werden. Natürlich hätte man die Aufgaben, die den Aufbau von Edelbild vorantreiben auch anders, handlicher portionieren können. Natürlich hätte man in kleineren Schritten launchen können. Sich auf praktische Arbeitsmethoden verständigen können. Das permanente Beta im Webgeschäft. Edelbild ist zweifellos ein interessantes und modernes Geschäftsmodell, es nutzt als Marktplatz geschickt die “unfakturierte Zeit” Leerlaufzeiten von Fachleuten, Freiberuflern und auch Amateuren produktiv und verhilft ihnen zu zusätzlichem Einkommen. Ein Modell, dass sehr gut auch für viele andere Anwendungsgebiete funktionieren kann.

Jason und ich haben beschlossen beim StartupWeekend @CeBIT ein professionelles Management für das nächste Startup auszuschreiben und das neue Unternehmen auch mit einem Budget auszustatten. Momentan putzen wir dafür Klinken. Jeder aus der Crowd kann sich für die Managementpostionen bewerben. Professionell mit Vita und muss sich sekber pitchen. Die Crowd entscheided, wen ihr Vertrauen gilt. Die Konditionen werden vorher festgelegt. Die Aufgabe dieses Managements ist es, u.a. das Funding für das Unternehmen zu sichern und das “Produkt” des Unternehmens zum fliegen zu bringen. Das Engagement ist zunächst auf drei Monate begrenzt. Es kann maximal um drei Monate aus wichtigem Grund verlängert werden. Als Sicherheit werden Jason und ich uns als Tandem auch zur wahl stellen. Wir haben auch gelernt, dass wir nicht nur Hebammen des Kindes sind, sondern auch Eltern. Der Erfolg des Startups treibt auch StartupWeekend nach vorne. StartupWeekend ist nur ein Teil unserer grösseren Vision, von dem später die Rede sein wird. Oberstes Gebot bleibt grösstmögliche Transparenz und Fairness.

Was meint ihr dazu?

Antworten

[...] Weiterlesen im StartupWeekend 2007 Blog… [...]

Meine Überlegungen “in solche Ecken” ging auch immer in die Richtung: ‘irgendwas an Cash muss fließen’. Das ist einfach realistisch und wenn nicht nur aus Gründen des Realitätsabgleichs dann allein aus solchen der Psychologie wichtig.

Insofern: Right move.

Man muss halt nur sehen, dass das nicht eine Art Schlammcatchen wird.

Dem schließe ich mich an! Mit einem Team, das zumindest eine halbwegs faire Aufwandsentschädigung bekommt, wäre Edelbild sicherlich schon online.

Finde ich super, dass auch endlich mal die Probleme vom SUW thematisiert werden. Das läßt jetzt das SUW @ Cebit wieder so richtig spannend werden.

Grundsätzlich erscheint mir der Gedanke, auch ein Funding für eine Idee vorzuhalten als sinnvoll - Edelbild hat ja gezeigt, dass es ohne Funding nicht geht.

Allerdings sollte IMHO bedacht werden, dass sich wohl kaum jemand auf einen auf drei Monate (oder auch sechs) festgeschriebenen Management-Posten, unabhängig von der Entlohnung, bewerben wird, wenn er/sie bereits einen Job hat; sprich: es werden wohl nur Freelancer oder Studenten oder oder für diesen Job in Frage kommen. Das mag natürlich nicht nur schlecht sein, sollte aber in der Überlegung mit bedacht werden.

Mich würde als Shareholder von Edelbild zudem interessieren, warum diese zeitliche Begrenzung existiert und das Management nicht an seiner Arbeit gemessen (und dann ggf weiterverpflichtet oder entlassen) wird, sondern es vorher festgelegt wird, wie lange es tätig sein darf. Was passiert danach? Kommt dann euer Zweier-Reserve-Team, wenn es erst mal läuft?

Gruß,
Oliver

Die zeitliche Begrenzung existiert wegen der ergebnisorientierten Zielsetzung. In drei Monaten up and running zu sein. Mit allen wesenlichen Feautures eines Startup. Dann dann neu entschieden werden.

finde ich super, dass die entstandenen probleme bezüglich edelbild eine learned lesson darstellen können, aus fehlern lernt man ja bekanntlich.
ich glaube es liegt tatsächlich am fehlenden cash. die motivation is wie schon gesagt gleich null derzeit. immoment arbeiten nurnoch knapp 10% (wenn überhaupt) aktiv an edelbild.
fehlende zeit (durch beruf, studium etc) und nur wenig anreize sorgen nunmal dafür, dass die motivation ausbleibt. zwar könnte man es langfristig einrichten, dass mitarbeiter bezahlt werden nur muss dafür geld in die kasse und dieses bekommt man ur durch ein laufendes startup.

Hey Cem… ich wünsche Dir/Euch alles Gute für das Startup Weekend auf der CeBIT. Lasst es rocken! Sehen uns am CeBIT-Freitag. :-)

Lieber Cem,
vielen Dank für diesen Beitrag!
Neben der fehlenden Bezahlung als Ursache für die mangelnde Motivation habe ich noch folgende Hemmschuhe identifiziert:

- der Gewinner des Pitches darf nicht der Geschäftsführer des neuen Unternehmens werden. Noch am Sonntag - so habe ich das wahrgenommen - wurde die von der Gemeinschaft weiterentwickelte Geschäftsidee für Edelbild in wesentlichen Teilen wieder auf die Ursprungsidee zurückgestutzt. Das war kontraproduktiv und für mich ganz persönlich demotivierend. Daher schlage ich vor, das Reglement entsprechend zu ändern.
- Unternehmensberater, die nicht Teil der ‘Crowd’ sind, haben auf der Veranstaltung nichts zu suchen. Auch wenn sie Sponsoren sind. Ich habe verstanden, dass die Möglichkeit, jederzeit einen Berater zur Problemlösung hinzuzurufen, prinzipiell sehr komfortabel war. Andererseits wurde so das Vertrauen in die ‘Crowd’ unnötig gestört. Mit anderen Worten: ich meine, dass der Einsatz von externen Beratern während des StartupWeekends kontraproduktiv ist. Vorschlag: künftig ein jour fix mit Beratern während der Aufbauphase des neuen Unternehmens anbieten (lassen). Ist m.E. deutlich hilfreicher.
- die formelle Gründung des Unternehmens sowie die Ausgabe der Shares hat viel Zeit geraubt und war kräftezehrend. Meiner Meinung nach kann dieser Vorgang nach dem Wochenende erfolgen.

Ansonsten freue ich mich, dass es weiter geht! Jason & Cem, danke, dass Ihr der Motor seid.

Ich denke das funding ist eine sehr gute Idee und Möglichkeit eine längere Durststrecke bis die ersten Umsätze erzielt werden können zu überstehen. Eine weitere Begleitung nach der Gründung ist sicherlich auch nicht verkehrt.

Beim edelbild SUW war mich einer der Gründe früher anzureisen da ich mir im klaren war das meine Zeit nicht ausreichen wird mich langfristig zu engagieren, wenn ein funding da gewesen wäre hätte es vielleicht anders ausgesehen.

Ja, mit Geld wäre es einfacher gewesen, wobei es auch nicht alle Probleme gelöst hätte.

Da wäre zum einen die Größe der Crowd. Gut 100 Leute lassen sich auch mit dem besten Funding nicht bezahlen. Also doch “Working for Shares”? Die Geschäftsidee von Edelbild macht es ja eigentlich vor: Edelbild.de nutzt Leerlaufzeit von Experten (Photoshopern). Genauso sollte Edelbild Ltd. ja die Leerlaufzeit und Begeisterung seiner Shareholder nutzen. Ob diese ihre geleistete Arbeit dann in Form von Shares oder Geld bekommen, hängt vom Shareholder bzw. dessen persönlicher Situation ab, ist aber im Grunde genommen unerheblich.
Wichtig scheint mir hierbei ein transparentes System, in dem die geleistete Arbeit aller, sowie die Verteilung der Shares und Mittel permanent festgehalten werden.
Crowdsourcing ohne ein (pragmatisches) Regelwerk funktioniert offenbar nicht. Ein funktionierendes Crowdsourcing kann jedoch eine Menge bewegen, ohne dass der Einzelne monatelang “umsonst” arbeitet.

Als nächstes wäre da die Geschäftsidee. Die sollte sich iterativ umsetzen lassen, ganz a’ la ständiger Beta. So lässt sich das Risiko niedrig halten. Das Erreichen jedes Teilschrittes erhöht zudem die Motivation. Edelbild.de war, was diesen Punkt angeht, nicht das optimale Beispiel.

Zumindest im Kleinen kann so etwas funktionieren. Ich kenne 2 Startups, bei denen “Working for Shares” plus etwas Geld (bis dato) ganz gut funktioniert. Dort sitzen jeweils 4-6 Leute im Boot.
Das ist sicher auch im Großen möglich. Lasst es uns anpacken!

Ich habe mal ein Konzept fuer eine sich selbst organisierende Firma geschrieben und mag Eure Idee.
Nachdem ich Sixtus Beitrag über Eure erste Geschichte gesehen habe, habe ich mich allerdings gefragt, wie Ihr verhindern wollt, dass sich Parasiten einnisten, die nur ein Wochenende “investieren” um “billig” an eine Startup Option zu kommen.
Dabei geht es in erster Linie darum, die unterschiedlichen Empfindungen von Gerechtigkeit abzufangen. Es fängt schon mit so einfachen Sachen an wie Arbeitszeit vs. Produktivität an und geht weiter über Spezialwissen und knappe Ressourcen. Ein weiterer Punkt ist die unendliche Unterschiedlichkeit von menschlichen Wesen.
Der Eine mag gute Ideen haben, kann diese vielleicht sogar pitschen, ist dann aber einfach komplett unfähig in der Unsetzung oder hat andere z.B sozialkompetente Defizite. Natürlich hat ein Partner/Mitarbeiter der schon lange im Geschäft ist einen ganz anderen Erfahrungsfundus und kommt wahrscheinlich sehr viel schneller ans Ziel. Wenn es um juristische Fragestellungen geht mag das Einschalten einer spezialisierten Kanzlei sehr viel kostspieliger sein, als den entsprechenden Fachmann ins Team zu holen, obwohl er eventuell nur kurze “Zeit” mitarbeitet. Wenn die Idee fliegt, dann mag es umgekeht sein. Was doch im Endeffekt benötigt wird ist ein UnternehmenUnternehmen (geil der Name gefällt mir, werde ich mir mal sichern), also eine Struktur, in der Gründer, Geldgeber und Mitarbeiter zusammenkommen und sich selbst organisieren. Das ist auch meine Idee fuer das Startup als solches. Ein Framework für Startups. Klar gibt es VC Firmen Inkubatoren usw. aber ein Laden der jedem offen steht ist mir nicht bekannt.
Der Punkt der hier ferner diskutiert wird, die Bezahlung als Anreiz: Ich würde die Option Mitarbeiter mit Bezahlung versehen, die Option Gründer und Investor ohne. Wobei einer auch alle Formen annehmen kann und dies auf einem oder mehreren Projekten. Sozusagen die Digitale Boheme als Framework.

Gruss HerrLuBo72

Ergebnisorientierte Zielsetzung hört sich prima an.
Wann gibt es weitere Informationen zum Startupweekend Cebit?

[...] noch um edelbild? Edelbild ist bisher nicht produktiv gewesen. Darber habe ich vor eingen Tagen im StartupWeekend Blog ausfhrlich Stellung bezogen. Ich finde die Idee von Edelbild nach wie vor gut, aber die spteren [...]

schade, daß das startupweekend genau zur Cebit stattfindet :-(

viele können dann vermutlich nicht, da auch die Cebit besucht werden will

wirklich schade

@Arno, im Gegenteil: Freitag schwärmen wir nach dem morgendlichen Briefing aus und kommen zum Nachmittags zum Pitchen zusammen.

wie sieht das genaue programm für die anderen tage aus? das wäre schon wichtig zu wissen, bevor man sich anmeldet

das meiste sollte morgen im Blog sein…

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