Ich habe mein Versprechen eingelöst. Das neue Unternehmen ist gegründet. Alle Teilnehmer, die vor Ort dabei waren, sind Gesellschafter dieses Unternehmens geworden, sofern sie es wollten. Die Veranstaltung war kostenlos für alle Teilnehmer. Einschliesslich Frühstück, Mittagessen und Abendveranstaltung inklusive Essen und Trinken. Einschliesslich der technischen Infrastruktur und der Location. Einschliesslich Spass, Networking, VCs,… So wie ich es am 11. Juli 2007 angeregt und eineinhalb Tage später angekündigt hatte. Wir konnten sogar noch 200 Euro in die Kasse des Startup legen. Als Gegenwert der Shares. Nur für die Registrierung des Unternehmens haben wir 20 Euro für Gebühren und Kosten von jedem Teilnehmer eingenommen. Das ist alles. Aufgabe erfüllt. Versprechen eingelöst. Ohne wenn und aber. Und wer an diesem Wochenende dabei war, der kann den anderen berichten wie es war. Der allergrösste Teil der Teilnehmer fand, dass es ein besonderes Erlebnis und eine klasse Erfahrung war und würde gerne wieder dabei sein.
Trotzdem. Die Dinge sind nicht überall glatt gelaufen an diesen zwei Tagen. Es gab Überraschungen. Gute und schlechte. Alles andere wäre aber auch ungewöhnlich gewesen für etwas, dass in dieser Form in Europa zum erstenmal stattfand. Ohne erfolgreiche Vorbilder. Oder vergleichbare Events, wo wir hätten uns orientieren können. Jason und ich mussten so ziemlich alles dafür erfinden. Es war eine Alfaversion. Keine Beta. Dafür ist es uns allen mehr als hervorragend gelungen. Ich bin immer noch beieindruckt von der überragenden geschlossenen Teamleistung.
Was ist nicht gut gelaufen? Ich habe es hier und da schon kommentiert. Ich fasse zusammen…
Old Economy versus New Web: Ein schwieriges Kapitel. Vielleicht der Schlüssel zu allem. Zwei Anmerkungen dazu.
Zunächst: Ohne Kooperationspartner wäre diese Veranstaltung nicht möglich gewesen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass sich soviele kleine und grosse Unternehmen mit Sachleistungen und Sponsoring engagiert haben. Das ist nicht selbstverständlich. Ohne Kooperationspartner hätte es kein Essen, keine Räume, kein WLAN, keine Drucksachen usw. gegeben. Ohne Kooperationspartner hätte es auch für die Teilnehmer keine kostenlose Veranstaltung gegeben. Das ist Fakt. Ich habe mich die gesamte Zeit vehement dafür eingesetzt, dass StartupWeekend kostenlos für alle bleiben muss. Ich hatte es versprochen. Ich halte mein Versprechen. Und ausserdem, wollte ich, dass jeder daran teilnehmen konnte ohne Rücksicht auf seine finanziellen Möglichkeiten. Das ist meine basisdemokratische persönliche Entscheidung. genauso wie ich möchte, dass alle aktiven Teilnehmer an dem Ergebnis ihrer Arbeit als Eigentümer partizipieren. Vielleicht ist das sozialromatisch. Ich bin aber so gestrickt. Und ich rede ja davon auch schon seit langem.
Ferner: Am Anfang der Veranstaltung hatte ich davon gesprochen, wie wir alle ausgehend von einer sehr emotionalen Situation (Gründung ist emotional!) in zwei Tagen hin zu einer rationalen Entscheidungsgrundlage, einem Businessplan, kommen müssen. Zu Herz und Bauch muss sich auch am Ende auch das Hirn hinzugesellen. Nun bin ich einer der wenigen
alten SäckeSilver Surfer, die mit einem Bein knietief in der Old Economy stehen und mit dem anderen auf coolen Surfbrett spielen, das da heisst Web 2.0. Ich bilde mir ein, ich spreche beide Sprachen. Das traf am Wochenende aber nicht auf alle zu. Einige hatten den Eindruck die Old Economy würde das Neue Web einfangen und überstimmen. Eine Hierarchie zog unmerklich ein. Die flache Vernetzung wurde entflochten. Da ist etwas dran. Ich glaube aber, dass das nicht im Prinzip steckt. Genau diesen Punkt würde ich noch einmal sehr genau analysieren wollen. Es ging in Runde drei um die Synchronisierung der Teilprojekte. Ich glaube aber auch nicht, dass die Lösung einfach nur durch das sogenannte “Scrum” gekommen wäre. Ich glaube es ist sehr viel diffizieler. Nicht etwas, was durch eine Methode zu beseitigen wäre. Der Schlüssel steckt viel tiefer im Culture Clash zwischen Old Economy versus New Web. Meine Ansicht dazu ist zunächst: Wenn Web 2.0 wirklich erfolgreich sein will, dann muss es auch von der Old Economy lernen. Auch keine neue Erkenntnis, ich weiss. Das können wir aber nur in der Praxis sehen und lernen. Dazu später vielleicht mehr.Vorgehensweise Die Herausforderung bestand darin, innerhalb von 48 Stunden Kalenderzeit ein Unternehmen zu gründen mit einer grossen Anzahl von Menschen, die sich nicht kannten und die auch nicht einmal virtuell miteinander gearbeitet hatten. Verschärfend kam hinzu, dass über die individuelle Vorbildung und Erfahrung so gut wie nichts bekannt war. Ja, nicht einmal die genau Anzahl und die Verteilung der Kompetenzen war bekannt. Also, fast maximale Risikofaktoren. Und das unter sehr hohem Zeitstress.
Daraus folgte für mich, dass das Prozedere so robust und einfach zu gestalten war wie nur irgend möglich und dass wir keinerlei Zeit hatten etwas grossartig zu erklären. Minimaler Overhead war gefragt. Ich wollte keine Metadiskussion während der Arbeit. Ich wollte nicht ÜBER etwas sprechen, sondern es TUN. Nicht RAT, sondern TAT war gefragt. Ich wollte nicht, dass uns jemand erzählt was wir tun sollen (ich hasse das), sondern es tun. Ergebnisorientiert arbeiten - weniger prozessgesteuert.
Also, um mal die Fussballersprache zu bemühen: Mit einem mir vollkommen unbekannten Team von irgendeiner pazifischen Inselrepublik mit wenig Fussballpraxis kann ich kein Spiel auf Abseitsfalle aufziehen, sondern muss effektiven Kick-and-Rush spielen zunächst. Beim zweiten Spiel mit der gleichen Mannschaft kann ich vielleicht anfangen zu gestalten. Nebenbei gesagt, stellte sich ziemlich schnell heraus das die Spieler klasse bis genial waren. Das wussten wir am Anfang aber nicht genau.
Das vergessen viele. Damit schieden alle aufwendigen oder nicht selbsterklärenden Verfahren, Methoden und Tools aus. Absolute Einfachheit, Robustheit und Selbsterklärend war die Maxime. Deswegen hatte ich ziemlich kurzfristig die Runde drei geändert in Absprache mit Jason, weil mir doch das Zutrauen in die bisher kommunizierte Lösung fehlte. Vielleicht habe ich die Gruppe unterschätzt. Kann sein. Auf jedenfall wollte ich dann nicht während der Veranstaltung darüber detailliert diskutieren mehr. Das haben mir einige übel genommen und waren beleidigt. Nur - während des Spiels kann ich keine Taktik mehr erklären. Sorry, Jungs.
Der Abschluss: Ganz klar mein Fehler. Siehe hier. Muss ich nicht mehr wiederholen. Ich bedaure das zu tiefst. Kotau.
Nun, eine Premiere lässt sich nicht wiederholen. Und auch nicht nehmen. Übrigens, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit in dieser Art wird es für die nächsten Male so nicht mehr geben erfahrungsgemäss. So ist das.
Das StartupWeekend war nicht einfach. Es hätte auch schief gehen können. Es gab sehr viele entscheidende Momente, wo Jason und ich aus dem Hintergrund regulieren mussten. Das haben wir nicht an die grosse Glocke gehängt.
Dass man es besser machen kann, das steht ausser Frage. Dass man aus Fehlern lernt, klar. Das ist immer so. Man muss aber eben auch das Gesamtbild sehen. Nicht nur das Detail. Das ohne Zweifel wichtig ist.
Also mir hat’s es Mörderspass gemacht. Und ich würde es jederzeit gerne wieder machen. Noch besser.
Anmerkung: Ich liefere diesen Rückblick erst jetzt, da ich mich von den Strapazen erholen und das Erlebte sich erst setzen musste, ich nicht wie einige wenige Besserwisser ohne Kenntnis aller Hintergründe spontan aus der Hüfte schiessen und urteilen wollte. Und ausserdem habe ich noch ein Familien- und Berufsleben, das in letzter Zeit ziemlich zu kurz gekommen ist.
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