Posted by: Horst-Peter Traub | 14.September 2007

Runde 3: Sprints - Anforderungen erfassen und tracken

Nach dem Vorschlag zu Rollen im Team, nun etwas zum Thema Werkzeuge. Über den Einsatz von Softwaretools hatten wir ja schon unten eine Diskussion. Fazit: So einfach und flexibel wie möglich, also Karteikarten. Das hört sich primitiv an, funktioniert aber nicht nur in einer Xtreme Hour, sondern auch in echten Projekten erstaunlich gut. Übrigens, eine Xtreme Hour ist ein Simulationsspiel, das ein XP-Projekt mit mehreren Sprints (dort Iterationen genannt) innerhalb einer guten Stunde simuliert, also fast vergleichbar mit unserem Vorhaben. Eine beliebte Übung auf Konferenzen die ich mit viel Spaß auch mehrfach in Schulungen eingebaut habe.

Was macht man also mit den Karten?

Man notiert darauf eine Anforderung oder eine zu erfüllende Aufgabe. Dabei sind für unsere Zwecke folgende Dinge zu beachten:

  • Die Karte sollte einen prägnanten Titel haben, der die Aufgabe wiedergibt
  • Sie enthält eine Beschreibung des zu erreichenden Ziels und lässt dem Umsetzenden weitestgehend den Weg selbst bestimmen
  • Die Karte hat eine laufende Nummer (jedes Team darf seinen eigenen Nummernkreis verwenden), damit man sie schneller wiederfindet
  • Damit man weiß, von wem sie kommt und wen man bei Unstimmigkeiten fragen kann, sollte sie den Namen des beauftragenden Teams enthalten
  • Natürlich sollte auch nicht der Name des beauftragten Teams fehlen
  • Und schließlich ist noch die Angabe der Piorität aus Sicht des Auftraggebers bzw. Product-Owner-Teams sinnvoll, etwas in der Form: Must have, should have, nice to have
  • Jeder Auftrag muss in einem Sprint umsetzbar sein, sonst muss er in Teilaufträge zerlegt werden, die man parallel vergibt oder hintereinander in mehreren Sprints
  • Wenn der Auftrag erledigt ist, kann man einen Haken dran machen
  • Wichtige Ergebnisse kann man auf der Karte notieren, z.B. auf der Rückseite

Das Projekt-Dashboard

Mit den Karten kann man auf wunderbar einfache Weise die Planung und den Fortschritt visualisieren. An einem zentralen Ort (Treffpunkt des Product-Owner-Teams) werden sie an Stellwänden (da werden wir einige brauchen) aufgehängt. Pro Team gibt es eine Spalte und pro Sprint eine Zeile. Zusätzlich noch ein sogenanntes Backlog. Im Backlog werden alle Karten abgelegt die noch nicht abgearbeitet oder in einem Sprint eingeplant sind. Hier landen auch neue Aufträge, z.B. von den Delegierten eines anderen Teams. Fertige Aufträge werden farblich markiert. Die Delegierten der Teams aktualisieren regelmäßig den Status auf dem Dashboard. Das dürfte auch für Zuschauer spannend werden.

Das Team-Log

Damit jedes Team den Überblick über seine Aufträge behält, braucht es Kopien der Karten. Etwas effizienter wäre es, die Informationen der Karten in eine Excel-Tabelle einzutragen. Pro Zeile eine Karte mit ihren Daten. Zusätzlich braucht man Spalten für den Sprint, in welchen der Auftrag eingeplant wurde (1,2,3, ungeplant=Backlog), Erledigt (Ja/Nein), Wer arbeitet dann?, fertig (ja/nein). Sinnvoll ist auch eine grobe Aufwandsschätzung, damit man sehen kann, was alles in einem Sprint gemacht werden kann. Jetzt kommt der große Vorteil einer Tabellenkalkulation zu tragen: Man kann die Liste sortieren, filtern und Summen über die Aufwände bilden.

Die Auftragskarte und das Projekt-Dashboard

Soviel zum Thema Werkzeuge und Rollen, als nächstes werde ich versuchen einen Vorschlag zum Ablauf zu machen, dann wäre das Spiel komplett. Übrigens: Ich schreibe hier nur zum Thema, weil es sonst keiner tut. Niemand sollte sich in seiner Kreativität eingeschränkt fühlen, Eure Ideen sind willkommen.

Responses

Mit dieser einfachen Vorgehensweise hatten wir ja in unseren gemeinsamen Krankenkassenprojekten viel Erfolg. Das Verfahren ist robust und hat sich absolut bewährt.

Also Projektverwaltung offline? Die Software Trac (http://trac.edgewall.org/) arbeitet nach dem selben Prinzip. Karteikarten (hier Tickets) können in Milestones Iterationen eingeordnet werden und können Teams/Mitgliedern assignt werden, sowie als fixed gemarkert werden wenn erledigt.

So entsteht eine übersichtliche Roadmap der Teilschritte, die für Jeden einsehbar und kommentierbar sind. Im Backlog landen neue Teilschritte und Nice-to-Haves.

Könnte mir vorstellen dass das Karteikartenprinzip schnell unübersichtlich wird, lasse mich aber auch gern drauf ein ;-)

Ich weiß nicht, ob eine Softwarelösung für unseren speziellen Fall das Richtige ist. Speziell am Anfang arbeitet man damit meistens mehr an den Eigenheiten des Programms als an dem eigentlichen Problem.
Eine Karteikarte kann man sofort „bedienen“ und es bleibt auch immer eine Karteikarte.
Für die Arbeiten, die nach den StartupWeekend anfallen, sieht das natürlich ganz anders aus. Da wäre eine Software Lösung sicher geeignet. Mir fällt hier gleich Basecamp ein. Aber soweit sind wir ja noch nicht, jetzt konzentrieren wir uns erstmals auf das Wochenende.

@Sven: Im Vorfeld habe ich natürlich den Markt nach passenden Lösungen abgescannt. Das mache ich eh beruflich für unsere Projekte. Etwas wirklich Leichtgewichtiges habe ich nicht gefunden. Man benötigt immer eine Server-Infrastruktur, wenn man einen CSCW-Ansatz fahren will, das ist auch ein potentieller single point of failure. Jeder der mitmachen will, muss sich in die Handhabung einarbeiten und seinen Client (Browser) haben. Das schließt automatisch alle aus, die keinen Rechner dabei haben. Zudem hat das auch eine Auswirkung auf die Teamarbeit und Kommunikation: Karten kann man in der Gruppe an einer Wand oder auf einem Tisch gemeinsam schnell handhaben. Das ließe sich annähernd nur erreichen, wenn jedes Team 1-2 Beamer hat, aber dann hat auch nur einer die Maus in der Hand. Auf einem Dashboard aus einigen Stellwänden bekommt man auch viel mehr Informationen auf einen Blick unter, als auf 1024*768 Pixel und da können in direkter Kommunikation auch 10 Leute gleichzeitig dran fummeln. Eines haben wir auf dem SW nicht: Zeit, um sequentiell zu arbeiten.

Anders ist die Lage hinterher. Da hat Ralph absolut recht. Besonders bei der dann vermutlich vorherrschenden örtlich verteilten Zusammenarbeit braucht man ein zentral gehostetes Tool. Dazu hätte ich auch eine Empfehlung: http://www.targetprocess.com/ - das kostet zwar ein paar Dollar im Monat, aber bietet alles, was einen glücklich macht.

“Jeder der mitmachen will, muss sich in die Handhabung einarbeiten und seinen Client (Browser) haben. Das schließt automatisch alle aus, die keinen Rechner dabei haben.”
- richtig, für mich das Killerargument & überzeugt! ;-)

Versucht mal ohne grosse Aufrüstung auszukommen. Karteikarten sind in Ordnung. Keep it simple.

Ich hätte eine Idee für den Pitch: Wir bauen ein passendes Toolset für StartupWeekends. Das kommt dann bei der nächsten Veranstaltung zum Einsatz. Eat your own dogs food!
(Das war jetzt ernster gemeint als es klingt ;-) )

@Horst-Peter: Du wirst lachen, eine ähnliche Idee hatte ich auch schon. Die Startup Builder Site. Und für die fertigen StartUps dann den Startup Tower, das virtuelle Hochhaus mit den ganzen erfolgreich geründeten Startups :-)

Selbstreferentiell?.. :-)

Bootstrap Network
Steht doch oben schon so.

So hier, ist jetzt Wochenende, es fängt an stark zu regnen :-)

Die Crowd entschcheidet per Punktevergabe. Lasst uns Montag darüber sprechen… :-)

[...] Aufgaben aus dem Schritt 2D werden gemeinsam in Form von Auftragskarten aufgeschrieben und detailliert. Jeder kann mitmachen, dann gehts schneller. Wichtig: Jeder Auftrag [...]

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