Verfasst von: Cem Basman | 17.August 2007

Finanzierung: Sponsoring, Membership oder Ticketing?

StartupWeekend ist eine non-profit Grassroots Organisation. Wir haben das Gras gesät. Wir haben es wachsen sehen. Aber das Gras braucht auch Wasser und Dünger. Location, Technik, Catering, Services, Vor- und Nachbereitung verursachen Kosten und Aufwände. Ganz zu schweigen von der freiwilligen Arbeit, die eingebracht werden muss dabei. Das ist nicht zu unterschätzen bei dieser Grössenordnung.

Jason und ich haben uns natürlich von Anfang an auch über die Finanzierung sehr viele Gedanken gemacht. Wir haben uns für dieses Mal für ein Full-Sponsoring entschieden, da wir das Event für alle Teilnehmer komplett kostenfrei halten wollten. Das hat zwei Gründe. Zum einen wollen wir die Teilnehmer nicht mit weiteren anteiligen Kosten und Hürden zusätzlich zu ihren möglichen anfallenden Reisekosten zum Veranstaltungsort belasten. Zum anderen ist StartupWeekend aber auch ein Experiment in Crowdwisdom, dessen Ausgang natürlich zunächst ungewiss ist, und wir deshalb die Teilnehmer nicht ins finanzielle Risiko der Veranstaltung nehmen wollen.

Welche Möglichkeiten der Finanzierung gäbe es denn für StartupWeekend für später?

  1. Sponsoring: Lässt sich auf Dauer nicht wirklich wiederholen und skalieren. Erfordert sehr hohen Einsatz der Veranstalter. Die inhaltliche Unabhängigkeit der Veranstaltung muss dabei gewährleistet werden. Im Gegenzug wäre aber der Event kostenfrei für die Teilnehmer.
  2. Membership Fee: Ein regelmässiger monatlicher Beitrag, der angespart alle Kosten der Veranstaltung decken würde. Wie eine Club-Zugehörigkeit. Ein Club als virtuelle und reale Plattform, um via Internet oder auch bei vor Ort Meetings und Events sich auszutauschen bzw. gemeinsam verschiedene Unternehmungen zu gründen. Der Mitgliedsbeitrag kann sogar auch genutzt werden um einen Kapitalfonds für Seed Money für Gründungen “anzusparen”. So wie der gute alte Sparverein in der Eckkneipe im vergangenen Jahrhundert… Wie hoch könnte denn ein monatlicher Beitrag sein (mit und ohne Fondbeitrag)?
  3. Ticketing: Schlicht und einfach. Mit den Einnahmen aus den Eintrittskarten für ein StartupWeekend Event wird die Veranstaltung anteilig finanziert. Wieviel wäre denn für eine Veranstaltung angemessen? Was dürfte ein Ticket maximal kosten?

Oder eine Mischung aus allen drei Finanzierungsmodellen? Ohne jegliche Finanzierung wird so ein All-Inclusive-Event in dieser Grössenordnung wohl nicht stattfinden können.

Welche Finanzierung würdet ihr bevorzugen? Was würde hier Sinn machen? Was wäre überhaupt möglich? Andere Alternativen?? Was sagt die Weisheit der Massen dazu?

Antworten

Hi Cem,

um das passend beantworten zu können, müsste man wissen, wie viel Budget so ein Event benötigt…

Ich würde allerdings eine Kombination aus Option 1. und 3. bevorzugen. Einmalig einen Eintritt von 50€? sollte jeder bereit sein zu zahlen. Ich denke nicht, dass es sinnvoll ist, monatlich zu zahlen…das kommt dann sicher zu Zahlungsausfällen, weiterer Verwaltungsarbeit etc…

meine Meinung ;-)

Nicolai

Eine professionelle Eventagentur würde dafür sicher (einschlieslich ihres Honorars und der ausgelegten Rechnungen) im unteren bis mittleren fünfstelligen Bereich liegen. Jason und ich schaffen es für einen Bruchteil davon. Eben viel durch Sachspenden und freiwillige Dienstleistungen. “On a shoestring” sozusagen. Einiges muss aber trotzdem in harter Währung bezahlt werden. Manches nicht zu knapp leider :-)

Ich sehe es ähnlich wie Nicolai.

Sponsoring ist sicherlich für die Teilnehmer eine positive Finanzierungsmöglichkeit - wieviel Aufwand für die Organisatoren dahinter steckt weiß ich natürlich nicht.

Mitgliedschaften halte ich für nicht so sinnvoll. Das liegt vor allem an meiner Vorstellung von dem StartupWeekend. Denn ich nehme an, dass optimalerweise aus einem StartupWeekend heraus auch eine Firma gegründet wird, die dann auch einige Teilnehmer des SW bindet - die würden dann beim nächsten SW eher nicht teilnehmen.

Eintritt ist aber sicherlich gut. So eine Leistung für lau zu bekommen könnte zu einer gewissen Nachlässigkeit führen (und macht auch ein schlechtes Gewissen gegenüber den Organisatoren).

Als Alternativvorschlag - für eine längerfristige Veranstaltung: wie wäre es mit einer Art Gewinnbeteiligung an den gegründeten Firmen? Das würde zwar die Finanzen des Unternehmens ein wenig belasten, aber ich irgendwie sollte die Firma doch auch der “Gebärmutter” SW auch etwas zurück geben…

Ich denke, eine Kombination daraus ist letztendlich sinnvoll.

@Moritz: “Gewinnbeteiligung an den gegründeten Firmen?” - Haben wir auch schon überlegt. Sozusagen eine Art Payback an die Gemeinkosten. Für die erste Veranstaltung kann man das aber nicht berücksichtigen. da gibt es ja noch kein Unternehmen.

[...] Cem fragt, wie man das Startup Weekend auf stabile Beine stellen kann, damit man es regelmäßig ohne Sponsorenjagd veranstalten kann. Nun, ich würde vorschlagen, lass uns erstmal den Bären erlegen und dann feiern. Dann kann man immer noch drüber nachdenken, ob sich eine erneute Jagd lohnt. Wer aber unbedingt möchte, kann jetzt schon seine Gedanken dazu beitragen, logisch. ————————————————————- zu den nächsten Artikeln blättern: « AAA Budget Hotel ————————————————————- Trackback-URL ————————————————————- Artikelstatistik: · Gelesen: 1 · heute: 1 · zuletzt: Donnerstag, 01. Januar 1970 - 01:00 [...]

Obwohl ich das Geld nicht gerade lose rumliegen habe, wäre ich bereit, ohne Schmerzen bis zu 100 Euro für die Teilnahme und Beteiligung in den Topf zu werfen.

Es ist wirklich eine Frage des Kostenplans, um hier eine zielführende und nachhaltige Antwort geben zu können.

Die Barcamps beweisen derzeit, dass es auch ohne Eintritt funktioniert. Insofern würde ich Deiner (vielleicht) voreiligen Annahme noch nicht jetzt vollkommen zustimmen.

Wie wäre es damit, dass Teilnehmer, die einen Sponsor besorgen, ein besonderes Incentive erhalten, wie z.B. kostenfreie Teilnahmen oder nicht-monetäre Benefits?

Grundsätzlich glaube ich das über Sponsoring schon eine Menge zu erreichen ist. (Erfahrungen von Sport Events bestätigen mir dies). Daneben denke ich ist ein Eintritt das sinnvollste, da ein Membership Fee auf Dauer sehr viel Verwaltungsaufwand machen kann. Die Idee mit der Unternehmensbeteiligung finde ich für die Zukunft ebenfalls sehr interessant…
Aber ich denke die Erfahrung dieses Week ends wird für die Zukunft viel helfen.

Es haben alle Vor und Nachteile.

1.) Wie schon beschrieben, kann man nicht davon ausgehen dass es immer so wunderbar klappt. Würde aber hier nicht das Handtuch werfen.

2.) Es entsteht durch die Mitgliedschaft ein gewisser Anspruch, was durch eventuellen Platzmangel zu Schwierigkeiten führen kann. Verwaltungsauffwand, wie bereits erwähnt.

3.) Tickets fänd ich gut, aber wie legt man einen Preis fest, wenn man nicht weiss wieviele kommen? Kommen 100 oder 400? Grössere Location, höherer Preis. Wann startet der VK, wann sollte er enden? Für jeden oder nur per Einladung? Kommen wenn dann auch die Eingeladenen?

Methode 2 hat den Reiz, dass mit der Anzahl Mitglieder die Location wachsen kann. Z.b. “Dank der aktuellen Zahl von 300, können wir uns nun Raum X leisten”. Hat was..

Eine Beteiligung des “StartUpWeekends” an allen auf ihm gegründeten “Firmen” wäre auf jeden Fall die schönste Lösung. Das wäre dann ja so eine Art StartUp-”Perpetuum Mobile”, das einmal angestoßen wird und dann läuft und läuft und läuft…. und regelmäßig neue Firmen abwirft.

O.k., vielleicht sehr optimistisch und sicherlich auch erst sehr langfristig denkbar. (Wann werfen die meisten gegründete Firmen Gewinne ab? Nach 2,3,5 Jahren?)

Ich präferie ansonsten die Ticket-Lösung, da man so auch sicherstellen können, dass die angemeldeten Teilnehmer auch wirklich kommen. Denn bezahlt werden müßte bei Anmeldung und es gibt kein Geld zurück, wenn man nicht kommt.

Ich denke, dass so 50-100 Euro ja wohl für fast jeden machbar wäre. Studis und heiß begehrte Teilnehmer (Entwickler *g*) könnten es ja zur Not auch günstiger bekommen.

Ich denke, so langsam zeichnet sich ein Trend in der Meinungsbildung ab:

* Grundsätzlich eine Ticketlösung. Gewährleistet auch ein niedriges No-show und filtert reine Zuschauer ab.
* Ticketpreise (nicht rückerstattungsfähig) um die 100 Euro. Lässt sich noch differenzieren vielleicht in unterschiedlichen Preisen und Wildcards (0 Euro). Tickets liesen sich auch sponsorn…
* Das Ganze unterfuttert durch ein finanziell gesundes Sponsoring (BandenBannerwerbung)

“Membership” wäre demnach als Option raus, wobei ich das gar nicht schlecht fände, um einen Fonds aufzubauen. Zum Thema Funding des/der neuzugründenden Unternehmen haben wir (Jason & I) momentan auch so ein paar revoluzzermässige Brainstormings, die aber nicht spruchreif sind…

Das Thema Funding erinnert mich irgendwie sehr entfernt an das Microfunding/Microlending/Microcredits des Nobelpreisträgers Muhammad Yunus:
http://de.wikipedia.org/wiki/Mikrokredit, http://en.wikipedia.org/wiki/Microcredit

Tickets finde ich ebenfalls gut, aus den auch bereits erwähnten Gründen.

Mit einer Staffelung der Preise wäre ich aber sehr sehr vorsichtig, um nicht unnötig für Missgunst zu sorgen. Reduzierter Preis für bestimmt Zielgruppen, die es höchstwahrscheinlich nicht ganz so dicke haben. Der Rest zahlt voll. Mehr würd ich nicht machen. Wildcards - für Organisatoren klar. Für andere: Nein, aus welchen Gründen?

Monte, die Sache mit der Preisstaffelung leuchtet mir in diesem Kontext ein. Gut: Tickets zu Einheitspreisen.

Die Konsequenz wäre aber nun, dass vermutlich der Teilnehmerkreis deutlich geringer wäre. Hier den optimalen Preis zu fínden, wo sich Angebot und Nachfrage die Waage halten und gleichzeitig der Teilnehmerkreis genügend gross wird, damit dass nicht ein intimer Stammtisch wird, ist nicht gerade ganz einfach… ;-)

Ein berechtigter Einwand von Dir. Aber ich wär optimistisch, dass man dem idealen Preis durch eine kleine Umfrage recht nahe kommen kann. :-)

Prinzipiell gehöre ich sicherlich ohnehin eher zu der Fraktion, dass so eine Veranstaltung nicht zu groß werden sollte. Getreu dem Motto ‘Viele Köche verderben den Brei’. Ich habe einfach Angst, dass ab einer gewissen Anzahl zuviel nur noch kontraproduktiv wird.

mein erster gedanke war auch die finanzierung aus überschüssen aus dem gegründeten unternehmen, frage ist da natürlich wie man das vorfinanziert und planen kann.

für die vorfinanzierung ist sponsoring sicherlich eine gute sache, aber wie cem schon sagt nicht beliebig skalierbar und mit hohem aufwand verbunden.

man wird dabei einflussnahme (in maßen) der sponsoren in kauf nehmen müssen. denke aber schon das es legitim ist, räumlichkeiten und technische infrastruktur die am wochenende z.B. von der Telekom nicht genutzt werden in anspruch zu nehmen und dafür das künftige unternehmen in gewisser weise an den sponsor zu binden. (mit möglichkeit des freikaufens?) den preis wäre ich gerne bereit zu “zahlen” wenn dafür die vorfinanzierung steht. (auch wenn ich von dem beispielunternehmen nicht viel halte.)

bei tickets hab ich das problem, dass ich gerne vorher wüsste, wie ich später am unternehmen beteiligt werde und welchen weiteren finanziellen aufwand ich dafür habe.
das lässt sich aber schlecht voraussagen.

bin gespannt was wir aus den ersten erfahrungen lernen werden.

@phil: Mit den Ticket würde man nur das Event an sich finanzieren. Nicht das zu gründende Unternehmen. Das Prinzip, dass alle aktiv Beteiligten Gesellschafter des Unternehmens wären bleibt aber dabei.

hi cem,

dass ist mir schon klar. ich meinte damit aber mit welchem weiteren finanziellen einsatz ich bei der gründung, bzw. für meinen anteil rechnen muss.

im grob übertragenen sinne mit welchen folgekosten muss ich beim abschluss eines handyvertrags rechnen. je nach dem bin ich bereit eine anschlussgebühr in höhe von 20 oder 100 € zu bezahlen…

Erstmal nur durch die symbolische Einlage. Beispielsweise bei einer Limited. Haften tust du als Gesellschafter dann sowieso nur mit der Einlage.

dann werde ich mir die beiträge zu unternehmensfinanzierung gleich noch mal anschauen.

ich hatte im kopf, dass die anteile u.a. nach höhe der einlage und an die unternehmensführung verteilt werden. also nichts neues.
in dem moment wäre es interessant, was ich für welchen anteil als folgekosten habe. was ja ohne plandaten nicht kalkulierbar ist.
-> ich würde das ticket kaufen ohne zu wissen, was ich als folgekosten habe, wenn ich teilhaber sein will. ich würde mich also einkaufen müssen um einen anteil kaufen zu können.

bei diesem blick aufs finanzielle lasse ich mal alles andere, was mich an der startupWE Idee reizt, außen vor.

ich würde auch für ein Ticket zahlen. 100€ wären für mich aber absolute obergrenze. (als armer student ;-)

also die 100€, wenn’s nur um eine symbolische einlage geht

Nunja Sponsoring ist sicherlich erstmal das beste was passieren kann doch auch ein Mitgliedschaftsbeitrag hat seine Vorteile.
Selbstverständlich ein hoher bürokratischer Aufwand und klar kann es auch zu Zahlungsausfällen kommen doch insgesamt denke ich ist diese variante am “sichersten” denn viele sind evtl. nicht bereit 100€ einmalig zu zahlen denn die muss man auch erstmal haben(rede da aus meiner Sicht als Schüler)

Ich finde 50-100 € durchaus angemessen, denn da sind sicherlich Essen, Getränke, WLAN etc. mit drin. Für Schüler und Studenten gegen Vorlage eines gültigen Schüler/Studentenausweises 50% Rabatt (25-50€ sollten aufbringbar sein, so viel kostet ja heutzutage ein Konzertticket). Sind ja schließlich auch 2 Tage Veranstaltung.
Endpreis würde ich daran orientieren, wie viel Ihr tatsächlich braucht. 30-50% des Budgets sollten über Sponsoring reinzuholen sein, oder?
Und - wie schon von vielen erwähnt - das Ganze Non-Refundable machen. Das hält von einer No-Show Quote ab, die einfach nur ärgerlich ist.

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